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Tipps zum Alltag mit diabetischem Makulaödem (DMÖ)

Das Auge ist ein absolutes Hochleistungsorgan – kein anderes Sinnesorgan sammelt mehr Eindrücke. Pro Sekunde nehmen Ihre Augen mehrere Millionen Informationen auf und leiten sie ans Gehirn weiter [1]. Ob erhebliche Einschränkung oder gar der Verlust des Sehvermögens – wenn bei diesem wichtigen Organ die Leistung nachlässt, stellt das eine große Belastung und Herausforderung dar. Viele Tätigkeiten und Beschäftigungen, die bisher zur mühelosen Routine gehörten, klappen plötzlich nur noch mit Mühe, gar nicht mehr oder nur mit fremder Hilfe (z. B. Computerarbeit, Lesen, Autofahren oder Kochen). Wenn Sie an einem diabetischen Makulaödem (DMÖ) leiden, kommen Sie daher wahrscheinlich nicht darum herum, Ihr Leben etwas umzustellen und sich an die schlechteren Sichtverhältnisse anzupassen.

Auch wenn die Diagnose DMÖ womöglich die eine oder andere Einschränkung nach sich zieht – Motivation und Anpassungsbereitschaft bieten die besten Voraussetzungen für ein weiterhin erfülltes und aktives Leben. Denn viele Aktivitäten können Sie auch mit eingeschränktem Sehvermögen beibehalten – nur vielleicht manchmal ein wenig anders oder mit ein paar Tricks.

Nehmen Sie Hilfe an

Scheuen Sie sich nicht, um Rat und Hilfe zu bitten, während Sie sich neu orientieren und an die veränderte Lebenssituation gewöhnen. Ein offenes Gespräch mit Freunden und Verwandten über Ihre Erkrankung ist dabei auf jeden Fall schon mal ein guter Anfang. Ebenso wie Sie müssen auch Ihre Angehörigen erst lernen, mit Ihrer Krankheit umzugehen und das richtige Maß für Hilfsangebote zu finden. Auch Pflegedienste und Selbsthilfeorganisationen stehen Ihnen gern mit Rat und Tat zur Seite – sprechen Sie Ihren Augenarzt oder das Praxispersonal einmal darauf an. Vielen Patienten tut es auch gut, sich in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Am Computer mit DMÖ

Ein älterer Mann sitzt vor einem Laptop, ein junger Mann sitzt neben ihm und hilft ihm. Ein Computer ermöglicht Ihnen, Informationsquellen aus dem Internet zu nutzen. Und die E-Mail-Funktion hilft Ihnen dabei, mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Falls Sie zu denjenigen gehören, die bisher eher wenig Erfahrung im Umgang mit Rechner oder Internet besitzen, wird Ihnen bestimmt jemand aus dem Bekannten- oder Verwandtenkreis über die ersten Startschwierigkeiten hinweghelfen und Ihnen auch die Voreinstellungen und Möglichkeiten für Menschen mit Sehproblemen erklären, zum Beispiel:

  • Angepasste, vergrößerte Darstellungen
  • Optimierte Kontraste
  • Anklickbare Vergrößerungsgläser
  • Große Tastaturen auf dem Bildschirm, auf denen sich mit der Maus Buchstaben anklicken und so Texte erstellen lassen
  • Vorlese-Funktionen
  • Braille-Tastatur bei starker Sehbeeinträchtigung (Tastatur in Blindenschrift)

Informationen zu Hilfestellungen für Menschen mit geringer Sehkraft finden Sie auch bei Softwareanbietern:

Falls Sie gerne lesen, lohnt es sich, ein E-Book auszuprobieren. Bei diesen „elektronischen Büchern“ kann man die Schriftgröße stark individuell einstellen.

In der Küche mit DMÖ

Eine ältere Frau sortiert in der Küche Tabletten in einen Medikamentendosierer. Eine jüngere Frau hilft ihr dabei. Ein lecker duftendes selbst gekochtes Essen, ein hübsch gedeckter Tisch – für viele gehört das zur Lebensqualität. Einige Tricks helfen Ihnen, dass Sie diese Freiheit und diesen Genuss auch mit einem DMÖ beibehalten und weiterhin souverän in Ihrer Küche agieren können. Bei der Umsetzung unserer Tipps helfen Ihnen Freunde und Familienmitglieder sicher gern.

  • Kontrast: Gestalten Sie Arbeitsflächen farblich so, dass sie einen deutlichen Kontrast zu Tellern, Kochutensilien und anderen Gegenständen bilden.
  • Kennzeichnen Sie Gegenstände: Kennzeichnen Sie scharfe Kanten, Steckdosen und ähnliches mit breitem Klebeband in auffälliger Farbe. Spannen Sie farbige Gummibänder um Behältnisse, damit Sie deren Inhalt auf einen Blick erkennen.
  • Ordnung: Ordnen Sie jedem Gegenstand, den Sie regelmäßig benutzen, einen festen Platz zu und legen Sie die Gegenstände nach der Benutzung gleich wieder dorthin zurück. Schließen Sie Schränke oder Schubladen gleich wieder, nachdem Sie Dinge entnommen haben. Nach diesem System sollte sich jeder richten, der in Ihrer Küche arbeitet.
  • Nutzen Sie auch Ihre anderen Sinne: Prüfen Sie z. B. verschiedene Zutaten durch den Geruch oder den Geschmack, bevor Sie sie zu einem Gericht hinzufügen.
  • Medikamentendosierer verwenden: Entsorgen Sie all Ihre alten Medikamente und besorgen Sie sich in der Apotheke einen Medikamentendosierer, in den Sie Ihre Tagesdosis an Arzneimitteln einsortieren – eventuell mit Unterstützung von Freunden oder Familienmitgliedern. So schließen Sie Verwechslungen aus und können sicher sein, dass Sie immer das richtige Medikament zur vorgegebenen Tageszeit einnehmen.

Im Badezimmer

Ein helles, modernes Badezimmer mit Waschbecken und Badewanne. Das Badezimmer ist ein sehr privater Ort. Deshalb kommt es gerade im Bad darauf an, dort eine an Ihre veränderten Bedürfnisse angepasste Umgebung zu schaffen, in der Sie sich wohlfühlen und wo Sie möglichst keine fremde Hilfe benötigen. Wie einfach das geht, zeigen Ihnen unsere Tipps.

  • Licht: Nutzen Sie vergrößernde und beleuchtete Spiegel.
  • Kontrast: Probieren Sie gefärbte Zahncreme (z. B. mit farbigen Streifen), so dass sie einen Kontrast zu dem meist weißen Kopf der Zahnbürste bildet. Verwenden Sie Handtücher, die sich von der Farbe des Raumes deutlich unterscheiden.
  • Baden: Wenn Sie sich ein Bad einlassen, hilft ein farbiger Schwamm im Wasser, den steigenden Wasserstand zu erkennen. So sehen Sie, wann der gewünschte Wasserstand erreicht ist.
  • Kennzeichnen Sie Gegenstände: Verwenden Sie weiße Aufkleber und einen dicken Markierstift, um verschiedene Gegenstände zu kennzeichnen. Alternativ können Sie auch farbige Gummibänder um Behältnisse spannen (z. B. Shampoo, Duschgel, Haarspülung), um deren Inhalt auf einen Blick zu erkennen.

Sich mit DMÖ außerhalb der eigenen vier Wände sicher fühlen

Ein älteres Ehepaar beim gemeinsamen Einkauf in der Gemüseabteilung. Wer nicht mehr so gut sehen kann, geht oft nur noch ungern vor die Tür. Doch dieser Unsicherheit können Sie etwas entgegensetzen und sich dadurch Selbstvertrauen und Eigenständigkeit außerhalb Ihres Zuhauses bewahren oder zurückgewinnen:

  • Planen Sie voraus. Wer von vornherein verschiedene Eventualitäten einkalkuliert, fühlt sich sicherer (z. B. bei öffentlichen Verkehrsmitteln eine Alternativstrecke heraussuchen, falls mal ein Bus oder eine Bahn ausfällt).
  • Nutzen Sie kleine Hilfsmittel: Ein Vergrößerungsglas und eine Mini-Taschenlampe sind klein, handlich und passen in jede Tasche. Spezielle Freihand-Sehhilfen (eine Art Lupe zum Umhängen) gibt es z. B. im Sanitätshaus oder bei spezialisierten Anbietern im Internet.
  • Diktiergerät: Anstatt einer geschriebenen Einkaufsliste können Sie auch ein kleines Diktiergerät verwenden.
  • Geld: Wenn Sie Probleme haben, Münzen oder Scheine zu unterscheiden, lernen Sie, die Münzen durch Tasten zu erkennen. Scheine falten Sie am besten je nach Betrag unterschiedlich. Dann wissen Sie immer, welcher Schein welchem Wert entspricht.
  • Großbuchstabige Karten und Gebrauchsinformationen: Fragen Sie im Restaurant nach einer großbuchstabigen Karte. Sie werden überrascht sein, wie viele Restaurants solche Karten bereithalten. Auch für die Gebrauchsinformationen vieler Arzneimittel gibt es Varianten mit großen Buchstaben. Fragen Sie doch einfach Ihren Arzt oder Apotheker, oder gehen Sie direkt auf die Internetseite www.patienteninfo-service.de.
  • Fragen Sie nach Services: Viele Firmen (Fluggesellschaften, Telefonanbieter etc.) bieten spezielle Dienstleistungen für Menschen mit Sehstörungen an (z. B. Begleitung am Flughafen).
  • Nehmen Sie sich Zeit: Gönnen Sie Ihren Augen ein paar Sekunden, um sich nach einer hell erleuchteten Umgebung an ein dunkleres Umfeld zu gewöhnen oder umgekehrt. Auch für andere Aufgaben werden Sie eventuell etwas länger brauchen – nehmen Sie sich diese Zeit!
Quellen:
[1] Kuratorium Gutes Sehen: http://www.sehen.de/sehen/allgemein/das-auge/, zuletzt besucht am 25.08.2015.