Sie sind hier:

Ernährung und altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

Das Auge isst mit – im wahrsten Sinne des Wortes. Verschiedene Studien zeigen, dass die Ernährung auch die Gesundheit unserer Augen beeinflusst. So gibt es verschiedene wissenschaftliche Hinweise darauf, dass bestimmte Stoffe aus der Nahrung das AMD-Risiko senken. Vermutlich tragen diese Substanzen auch dazu bei, den Übergang von einer trockenen AMD in die aggressivere feuchte Erkrankungsform zu verzögern.

Freie Radikale – eine mögliche Ursache der AMD

Unsere Augen reagieren besonders empfindlich auf die UV-Strahlen im Sonnenlicht. Treffen Licht und Sauerstoff im Auge aufeinander, entstehen sogenannte „freie Radikale“. Das sind Stoffe, die gern mit anderen Stoffen eine Verbindung eingehen. Davon profitieren wir beispielsweise, wenn unser Körper Krankheitserreger abwehren muss. Ein Überangebot dieser aggressiven Sauerstoffverbindungen richtet dagegen eher Schaden an. So stehen freie Radikale nicht nur hinsichtlich von Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen in Verruf – sie schaden auch den empfindlichen Sinneszellen der Netzhaut.Schematische Darstellung: Treffen Licht und Sauerstoff im Auge zusammen, entstehen freie Radikale, die möglicherweise zur Entstehung der AMD beitragen.


Radikalfänger als Augenschutz

Bestimmte Stoffe arbeiten als „Radikalfänger“. Dazu gehören unter anderem die Vitamine C und E. Sie verbinden sich mit den überschüssigen freien Radikalen und machen diese dadurch unschädlich. Forscher haben herausgefunden, dass Menschen, die reichlich Radikalfänger zu sich nehmen, nur halb so häufig an einer AMD erkranken wie jene, deren Nahrung nur wenig davon enthält [1]. Zu den wichtigsten Radikalfängern (Antioxidanzien) und den entsprechenden Nahrungsquellen gehören:

Vitamin C: Da Vitamin C wasserlöslich ist, befindet sich in der Linse und im sogenannten Kammerwasser des Auges besonders viel Vitamin C, um Schäden durch freie Radikale abzufangen. Gute Lieferanten für Vitamin C sind: Zitrusfrüchte, Erdbeeren, schwarze Johannisbeeren aber auch Brokkoli, Paprika und Sauerkraut.

Vitamin E: Das fettlösliche Vitamin E befindet sich in Zellmembranen. Es schützt davor, dass sich reaktionsfreudiger Sauerstoff anlagert. Dadurch wird der Zellschutz unterstützt. Zu den besten Lieferanten aus der Nahrung zählen Pflanzenöle (z. B. Weizenkeim-, Raps- oder Sonnenblumenöl) und daraus hergestellte Margarine, Nüsse, Mandeln, Ölsaaten (z. B. Leinsamen) und Hafervollkorn.

Körpereigene „Sonnenbrille“: gelbe Pflanzenfarbstoffe (Karotinoide)

Zu den gelben Pflanzenfarbstoffen, den sogenannten Karotinoiden, zählen Lutein und Zeaxanthin. Sie kommen von Natur aus in der Makula vor und wirken hier wie eine schützende „innere Sonnenbrille“ für das Auge. Je älter wir werden, desto geringer ist der Vorrat an den schützenden Farbstoffen im Auge. Die Gefahr, an einer AMD zu erkranken, steigt. Mit einer gezielten Ernährung können Sie diese Schutzpigmente jedoch wieder in der Netzhaut anreichern. Lutein und Zeaxanthin finden sich vor allem in grünem Gemüse wie Spinat, Grünkohl oder Brokkoli, aber auch in Tomaten, Mais, Eigelb und Trauben.

Übrigens, diese Ernährungstipps haben einen erfreulichen Zusatznutzen: Denn auch die Karotinoide gehören zu den Radikalfängern. Untersuchungen haben ergeben, dass eine luteinreiche Ernährung die Pigmentdichte in der Makula deutlich erhöhen kann [2, 3]. Auch der Übergang von einer trockenen in die aggressivere feuchte Form der AMD lässt sich möglicherweise damit verzögern.

Sind Sie Raucher und haben daher vielleicht schon einmal gehört oder gelesen, dass zu viel Beta-Karotin womöglich auch negative Auswirkungen haben kann? Keine Sorge: Die Aufnahme von Karotinoiden aus diesen natürlichen Quellen schadet Ihnen nicht [4]. Anders verhält es sich mit Beta-Karotin, das Sie in hohen Mengen über Nahrungsergänzungsmittel, Vitaminpräparate oder angereicherte Getränke (ACE-Säfte) zu sich nehmen. Hier haben Wissenschaftler ein erhöhtes Risiko für Lungentumore nachgewiesen [4]. Daher sollten aktive Raucher unbedingt auf die Einnahme von beta-karotinhaltigen Vitaminpräparaten verzichten.

Zink und Kupfer helfen beim Radikalenfang

Auch eine ausreichende Versorgung mit den Spurenelementen Zink und Kupfer tut den Augen gut. Denn sie helfen mit bei der Jagd auf freie Radikale. Zink greift darüber hinaus in den Stoffwechsel des „Augenvitamins“ A ein und reguliert die Lichtreaktion im Auge [2]. Besonders reich an Zink sind Schalentiere, Rindfleisch, Milch- und Milchprodukte sowie Vollkorngetreide. Kartoffeln, Tomaten, Weizenvollkornbrot, Nüsse und Pilze enthalten dagegen besonders viel Kupfer. Und zu den besten Selenquellen gehören Fisch, Schweinefleisch, Eier, Nüsse und Linsen.

Omega-3-Fettsäuren – „Allroundtalente“ für die Augen

Diese speziellen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (abgekürzt DHA und EPA) übernehmen verschiedene wichtige Funktionen in der Netzhaut und tragen zum Schutz vor trockener und feuchter AMD bei. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass eine verstärkte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren aus Fischmahlzeiten das AMD-Erkrankungsrisiko senken kann [2]. Die Fettsäuren finden sich vor allem in fettreichen Seefischen wie Hering, Makrele, Lachs, Rotbarsch oder Kabeljau, aber auch in Walnüssen, Lein- und Rapsöl.

Wie nehme ich genug Augenschutzstoffe zu mir?

Wer sich nach den allgemeinen Empfehlungen zur gesunden Ernährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) [5] ernährt, versorgt sich und seine Augen normalerweise mit allen wichtigen Schutzstoffen in ausreichender Menge auf natürliche Weise. Bei der AMD liegt aber häufig ein Mangel, z. B. an Lutein, vor. Hier reicht dann eine gesunde, vollwertige Mischkost allein oft nicht immer aus. Ergänzen Sie Ihren Speisezettel daher mit vielen luteinreichen Lebensmitteln (Beispiele siehe oben) oder decken Sie Ihren erhöhten Bedarf in Rücksprache mit dem Arzt mit speziell zugeschnittenen, sogenannten ergänzend bilanzierten Diäten (Fertigpräparaten). Es gibt speziell auf die AMD abgestimmte Produkte, die verschiedene schützende Stoffe enthalten. Ihr Arzt kann Ihren Ernährungszustand messen und wird Sie gerne beraten, welche Diät oder Zusatzpräparate sich für Sie eignen.

Quellen:
[1] The Age-Related Eye Disease Study Research Group: AREDS report no. 8: A Randomized, Placebo-Controlled Clinical Trial of High-Dose Supplementation With Vitamins C and E, Beta Carotene, and Zinc for Age-Related Macular Degeneration and Vision Loss. Arch Ophthalmol 2001; 1417–1436.
[2] Hamm M, Neuberger D: Gesunde Augen – ein Leben lang. München, Goldmann, 2012.
[3] Richer S, Stiles W, Statkute L et al.: Double-masked, placebocontrolled, randomized trial of lutein and antioxidant supplementation in the intervention of atrophic age-related macular degeneration: the Veterans LAST study (Lutein Antioxidant Supplementation Trial). Optometry 2004; 75 (4): 216–30.
[4] Pressemitteilung 02/98, 30.01.1998; Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV), verfügbar unter http://www.raucherportal.de/warn/krank4.htm, zuletzt besucht am 07.05.2019.
[5] http://www.dge.de/modules.php?name=St&file=vollwert, zuletzt besucht am 07.05.2019.