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Ursachen der pathologischen Myopie

Bisher weiß man nicht genau, wie es zu dem stärkeren Längenwachstum des Augapfels und damit zur pathologischen Myopie kommt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass vor allem erbliche Faktoren, in geringem Maße aber auch frühkindliche Erkrankungen und bestimmte Verhaltensweisen an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sein können.

Kurzsichtigkeit beruht größtenteils auf erblicher Veranlagung

Familie, Vater und Sohn mit Brille. Die Anlage zur Kurzsichtigkeit wird oft vererbt.Die Längenausdehnung des Augapfels scheint durch Erbanlagen bestimmt zu sein. Kinder mit kurzsichtigen Eltern haben ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst kurzsichtig zu werden. Im Fall geringer und mittlerer Kurzsichtigkeit (Brechkraft zwischen −1 und −6 Dioptrien) wirken dabei zumeist mehrere, über verschiedene Orte im Erbgut verteilte Erbinformationen (Gene) zusammen. Bei der pathologischen Myopie liegen hingegen Veränderungen überwiegend nur auf einzelnen Genen vor.

Frühgeborenenretinopathie

Eine besondere Netzhauterkrankung von Frühgeborenen, die Frühgeborenenretinopathie, geht ebenfalls mit einem stark erhöhten Risiko einher, an Kurzsichtigkeit zu erkranken. Ursache der Erkrankung ist eine mangelhafte Durchblutung der Netzhaut während der Geburt, durch die es zu einem Sauerstoffmangel in der Netzhaut kommt. Als Reaktion auf die unzureichende Versorgung kann es zur Bildung krankhafter Blutgefäße oder auch zur Ablösung der Netzhaut kommen. Diese Veränderungen erhöhen das Risiko, im späteren Leben eine Kurzsichtigkeit zu entwickeln.

Lesen und Naharbeit

Ein lesendes Mädchen neben einem Bücherstapel. Häufiges Schmökern in der Kindheit erhöht das Risiko, kurzsichtig zu werden.Einen nachweisbaren – jedoch vergleichsweise geringen – Einfluss auf das Risiko, kurzsichtig zu werden, haben auch bestimmte Verhaltensweisen in der Kinder- und Jugendzeit. Studien konnten zeigen, dass Kinder, die besonders viel lesen, im Erwachsenenalter vermehrt an Kurzsichtigkeit leiden. Gleiches gilt auch für Beschäftigungen, bei denen das Auge auf kurze Entfernungen eingestellt ist, wie z. B. Handarbeiten oder das Spielen am Computer. Allerdings sind derartige Tätigkeiten nur für ca. 10 % der Stärke der Kurzsichtigkeit verantwortlich. [1]

Ursachen der myopen CNV

Noch weniger als über die Ursachen der pathologischen Myopie ist über die Gründe bekannt, warum eine so starke Kurzsichtigkeit bei einigen Menschen mit einer krankhaften Gefäßneubildung (mCNV) verbunden ist, bei anderen jedoch nicht. Es konnte aber gezeigt werden, dass ein höheres Lebensalter, eine verzögerte Blutfüllung der Gefäße in der Aderhaut sowie eine geringere Gesamtdicke der Aderhaut die Gefahr erhöhen, eine myope chorioidale Neovaskularisation (myope CNV) zu bekommen [2].

 

Quellen:
[1] Wilde AMI: Untersuchungen zur Epidemiologie und Genetik der Myopie. Dissertation zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München. München 2010.
[2] Silva R. Myopic Maculopathy: A Review. Ophthalmologica 2012; 228: 197–213.