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Verlauf und Prognose der pathologischen Myopie

Ausgangspunkt der pathologischen Myopie ist ein übermäßiges Längenwachstum des Augapfels im Kindes- und Jugendalter. Es bewirkt, dass der Brennpunkt des Auges mehr als zwei Millimeter vor der Netzhaut liegt. Die Betroffenen benötigen eine starke Brille, um scharf sehen zu können. Langfristig drohen durch die Erkrankung Komplikationen, die die Sehkraft noch weiter in Mitleidenschaft ziehen können.

Mögliche Folgeschäden

Das Längenwachstum des Augapfels dehnt die Gewebeschichten des Auges. Betroffen sind vor allem die Netzhaut (Retina) und die blutgefäßreiche Aderhaut (Chorioidea). Durch die Dehnung können krankhafte Veränderungen entstehen, zum Beispiel als „Lacksprünge“ bezeichnete Risse in der Bruch’schen Membran, die sich zwischen Netzhaut und Aderhaut befindet.

Diese Risse tragen dazu bei, dass vor allem im Bereich des schärfsten Sehens (gelber Fleck/Makula) neue, krankhafte Blutgefäße entstehen und in die Netzhaut hineinwachsen. Augenärzte bezeichnen diesen Prozess als myope chorioidale Neovaskularisation (myope CNV, mCNV), also wörtlich als eine auf starker Kurzsichtigkeit beruhende, von der Aderhaut ausgehende Blutgefäßneubildung. Aufgrund von Untersuchungen geht man davon aus, dass sich bei 5 bis 11 % der Betroffenen mit pathologischer Myopie eine myope CNV entwickelt [1,2].

Grafische Darstellung der Netzhautschichten im Querschnitt

Diese ist „ein wachsendes Übel“: Die sich neu bildenden, krankhaften Blutgefäße sind oft undicht. Aus ihnen können Flüssigkeit oder sogar Blut austreten und der Netzhaut mitunter erheblichen Schaden zufügen. Sehzellen büßen ihre Funktion ein und hinterlassen oftmals gerade dort eine Narbe, wo die Folgen besonders schwerwiegend sind: im Bereich des schärfsten Sehens. Diese Narbe wird auch als Fuchs’scher Fleck bezeichnet (nach ihrem Entdecker, dem Augenarzt Ernst Fuchs). Ohne Behandlung können viele Betroffene im Verlauf einer myopen CNV erblinden.

Film Christina

Selbst wenn sich durch die pathologische Myopie keine krankhaften Blutgefäße ausprägen, leidet die Netzhaut und damit das Sehvermögen. Weitere mögliche Folgeschäden der pathologischen Myopie sind [3,4]:

  • Gewebeschäden mit Bildung kleiner Narben oder Löcher in der Netzhaut
  • Netzhautablösungen
  • Entwicklung eines Glaukoms
  • Ausbuchtung der Lederhaut (Staphylom) am hinteren Augenpool

Auch junge Menschen können betroffen sein

Da die Erkrankung im Kindesalter beginnt, sind mehr als die Hälfte der Patienten mit krankhafter Kurzsichtigkeit oder myoper CNV jünger als 50 Jahre [5].

Unbehandelt schränkt die myope CNV die Sehschärfe immer mehr ein und verursacht langfristig nicht mehr rückgängig zu machende Schäden bis hin zur Erblindung. Daher kommt es auf eine möglichst frühzeitige Behandlung an.

 

Quellen:
[1] Stellungnahme von BVA, RG und DOG zur Therapie der chorioidalen Neovaskularisation bei Myopie (Stand Dezember 2013). http://www.dog.org/wp-content/uploads/2014/01/myope-CNV-12-12-13-mit-neuem-Schema.pdf, zuletzt besucht am 08.05.2019.
[2] Hayashi K et al.: Long-term pattern of progression of myopic maculopathy: a natural history study. Ophthalmology 2010; 117: 1595–611.
[3] Silva R: Myopic Maculopathy: A Review. Ophthalmologica 2012; 228: 197–213.
[4] Wilde AMI: Untersuchungen zur Epidemiologie und Genetik der Myopie. Dissertation zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München. München 2010.
[5] Chan WM et al.: Choroidal neovascularisation in pathological myopia: an update in management. Br J Ophthalmol 2005; 89: 1522–28.