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Pathologische Myopie – eine seltene, schwere Form der Kurzsichtigkeit

In Deutschland verfügen nur gut 30 % aller Erwachsenen natürlicherweise über optimale Sehleistungen. Beinahe zwei Drittel der Bundesbürger über 16 Jahre tragen ständig oder gelegentlich eine Brille. Hinzu kommen noch einmal rund 5 % Kontaktlinsenträger. [1]

Vor allem drei Arten von Fehlsichtigkeit werden durch Sehhilfen korrigiert: Kurz-, Weit- und Alterssichtigkeit.

Normalsichtigkeit (Emmetropie)

Um eine optimale Sehschärfe zu gewährleisten, muss das Umgebungslicht exakt auf die Netzhaut (Retina) abgebildet werden. Nur so kann jede Seh-Sinneszelle optimal zur Wahrnehmung der Umwelt beitragen. Für die Brechung (Bündelung) des Lichts sorgen Hornhaut und Linse. Bei normalsichtigen Menschen ist die Brechkraft von Hornhaut und Linse präzise auf die Länge des Augapfels abgestimmt, die im Normalfall rund 24 mm beträgt. Die Lichtstrahlen werden genau auf der Netzhaut gebündelt (Brennpunkt). Es entsteht ein scharfes Bild der Umgebung. Als Maß für die Brechkraft wird die Einheit Dioptrie (Abkürzung dpt) benutzt. Querschnitt des Auges mit Darstellung der Lichtbrechung bei Normalsichtigkeit

Kurzsichtigkeit (Myopie)

In der Nähe erscheint alles gestochen scharf, in der Ferne jedoch verschwommen. Weltweit leiden etwa 1,6 Milliarden Menschen an Kurzsichtigkeit [2]. Schuld an der Erkrankung, die meist im Kindesalter beginnt, ist ein „Konstruktionsfehler“ des Auges: Der Augapfel ist etwas zu lang geraten oder aber Linse und Hornhaut brechen das Licht zu stark. Dadurch liegt der Brennpunkt vor der Netzhaut und das Bild wird unscharf.

Da Kurzsichtige eine Brille benötigen, die zu einer geringeren Lichtbrechung führt, wird die Brechkraft der Gläser mit einem Minuszeichen (z. B. −1,0 dpt) versehen. Bereits ein um einen einzigen Millimeter verlängerter Augapfel entspricht einer Kurzsichtigkeit von etwa drei Dioptrien (−3,0 dpt). Bei Kurzsichtigkeit liegt der Brennpunkt des Auges vor der Netzhaut

Krankhafte Kurzsichtigkeit (pathologische Myopie)

Etwa 1 bis 3 % der Bevölkerung leiden an einer besonders starken, krankhaften Form der Kurzsichtigkeit: der pathologischen Myopie (hohe Myopie, maligne Myopie). Diese starke Kurzsichtigkeit geht immer auf ein übermäßiges Längenwachstum des Augapfels zurück, nicht auf eine zu große Brechkraft [3].

Üblicherweise sprechen Augenärzte ab −6 Dioptrien und einer Länge des Augapfels (Bulbus oculi) von mehr als 26 mm in der Länge von einer pathologischen Myopie. Dies sind also mindestens zwei Millimeter mehr als ein Augapfel bei normalsichtigen Menschen.

Die pathologische Myopie kann Veränderungen an der Netzhaut des Auges verursachen, die die Sehkraft zusätzlich gefährden. Bei starker Kurzsichtigkeit sollten deshalb unbedingt regelmäßig Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt wahrgenommen werden.

Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Weitsichtige Menschen sehen in der Ferne gut, haben aber Sichtprobleme in der Nähe – beispielsweise beim Lesen, Kochen oder Heimwerken. Auch hier liegt ein „Baufehler“ vor: meistens ein zu kurzer Augapfel, nur in seltenen Fällen ist die Brechkraft der Linse zu gering. Der Brennpunkt liegt hinter der Netzhaut.

In jüngeren Jahren kann die Linse den Abbildungsfehler in vielen Fällen ausgleichen, indem sie sich stärker abrundet und dadurch die Brechkraft erhöht. Bei starker Weitsichtigkeit kommen die Betroffenen jedoch bereits in der Jugend nicht ohne Brille oder Kontaktlinsen zurecht. Im mittleren Alter benötigen dann auch die weniger stark Weitsichtigen zumindest eine Lesebrille.

Da Brillen von Weitsichtigen eine verstärkte Brechung des Lichts bewirken, werden die Werte im Brillenpass mit einem Pluszeichen vor der Dioptrienzahl versehen, z. B. +2,0 Dioptrien. Querschnitt des Auges mit Darstellung der Lichtbrechung bei Weitsichtigkeit

Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Bei der Alterssichtigkeit spielen die Länge des Augapfels und die Brechkraft keine Rolle. Die typischerweise im Alter zwischen 40 und 45 Jahren beginnenden Sehprobleme im Nahbereich haben einen anderen Grund: Die Linse und bestimmte Augenmuskeln verlieren mit zunehmendem Alter an Elastizität. Dadurch gelingt es dem Auge immer schlechter, ein scharfes Bild einzustellen – zunächst nur in der Nähe, später auch bei mittleren und großen Entfernungen.

 

 

Quellen:
[1] Institut für Demoskopie Allensbach: Repräsentative Bevölkerungsumfrage zum Sehbewusstsein der Deutschen im Jahr 2011 im Auftrag des Kuratorium Gutes Sehen (KGS).
[2] Wilde AMI: Untersuchungen zur Epidemiologie und Genetik der Myopie. Dissertation zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München. München 2010.
[3] Pro Retina e.V.: Pathologische Myopie (krankhafte Kurzsichtigkeit). http://www.pro-retina.de/netzhauterkrankungen/pathologische-myopie, zuletzt besucht am 08.05.2019.