Sie sind hier:

Risikominderung bei pathologischer Myopie

Warum erkranken einige Menschen an pathologischer Myopie und andere nicht? Diese Frage lässt sich größtenteils mit dem Hinweis auf die Erbanlagen (Gene) beantworten. Zusätzlich könnten andere Faktoren die Schwere der Myopie beeinflussen. So erhöht beispielsweise häufiges langes Lesen oder langes Arbeiten im Nahsichtbereich während der Kindheit und Jugend in geringem Maße das Risiko, an Kurzsichtigkeit zu erkranken. Eine vorhandene Kurzsichtigkeit kann verstärkt werden.

Abwechslung tut den Augen gut

Augenärzte empfehlen für die Augengesundheit, den Blick trotz aller Konzentration auf eine Tätigkeit immer wieder einmal schweifen zu lassen. Gleichgültig, ob Sie sich in ein Buch vertieft haben, eine Bastelarbeit vornehmen oder auch einer Beschäftigung am Computer nachgehen, gönnen Sie sich gelegentlich eine kurze Unterbrechung und verschaffen Sie Ihren Augen Abwechslung. Dazu sollte der Blick nach Möglichkeit in die Ferne gehen. Dadurch verharren die Augen nicht zu lange in der gleichen „Einstellung“: Die Linse ändert ihre Krümmung und die Augenmuskeln müssen den Blick auf ein neues Ziel ausrichten. Das entspannt und hilft zudem, späteren Sehstörungen vorzubeugen. Halten Sie während der Arbeit am Computer ca. 50 cm Abstand zum Bildschirm.

Schutzprogramm für die Augen

Zusätzlich können Sie Ihre Augengesundheit auch allgemein fördern. Dazu eignen sich Verhaltensweisen, die sich günstig auf das Sehvermögen auswirken.

Zwei Hände zerbrechen eine ZigaretteVerzichten Sie aufs Rauchen: Rauchen erhöht das Risiko für zahllose Gesundheitsstörungen. Dazu gehören auch viele Erkrankungen der Augen wie z. B. erhöhter Augeninnendruck (kann ein Glaukom bzw. grünen Star verursachen), Augentrockenheit oder die altersbedingte Linseneintrübung (Katarakt, grauer Star) [1]. Auch eine mit der krankhaften Gefäßneubildung (myope CNV) bei pathologischer Myopie verwandte Netzhauterkrankung, die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), tritt bei Rauchern bis zu dreimal häufiger auf als bei Nichtrauchern [2]. Durch den Verzicht auf Tabakkonsum tun Sie Ihren Augen also einen Gefallen – und schützen Ihren Körper zusätzlich auch vor Herz-Kreislauferkrankungen, Lungenstörungen und Krebs.

Frau und Mann mit Hut und Sonnenbrille.Schützen Sie Ihre Augen vor starkem Sonnenlicht: Die Sonne sendet neben dem sichtbaren Licht auch unsichtbare gefährliche Strahlen, wie z. B. die UV-Strahlen, aus. Ein bestimmter Bereich der Netzhaut – die Makula – ist gegenüber dieser Strahlung besonders sensibel. Treffen Licht und Sauerstoff im Auge aufeinander, entstehen sogenannte „Freie Radikale“. Diese chemisch äußerst aggressiven Substanzen können die Lichtsinneszellen schädigen. Auch andere Umweltfaktoren, wie z. B. Rauchen oder eine schlechte Ernährung, führen zur Bildung freier Radikale.

Eine Gruppe verschiedener Lebensmittel: Lachs, Brokkoli, Olivenöl und ZitroneEssen Sie „augengesund“: Übergewicht, eine einseitige Ernährung und hohe Blutfettwerte (Cholesterin) schaden Blutgefäßen und Nerven - und damit oft auch der Netzhaut. Anders als es der Volksmund verkündet, sind jedoch nicht unbedingt Karotten, sondern vor allem grünes Gemüse und fetter Fisch besonders gesund für die Augen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE, www.dge.de) hat dazu allgemeine Empfehlungen abgegeben. Als „augengesund“ gelten beispielsweise

  • Besonders Vitamin-C-haltige Früchte und Gemüse wie Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Paprika oder Brokkoli
  • Besonders Vitamin-E-haltige Nahrungsmittel wie Pflanzenöle (z. B. Sonnenblumenöl, Rapsöl), Nüsse und Hafervollkorn
  • Besonders „augenschützende“ Lebensmittel, die Karotinoide enthalten, wie Spinat, Grünkohl und Tomaten sowie Eigelb, Mais und rote Trauben
  • Besonders „Gesundheitsfettsäuren-reiche“ Esswaren wie fettreicher Seefisch (z. B. Hering, Makrele, Lachs, Rotbarsch oder Kabeljau), aber auch Walnüsse, Lein- und Rapsöl, die hohe Mengen der gesunden so genannten Omega-3-Fettsäuren enthalten

Achten Sie auf Veränderungen Ihrer Sehleistung

Selbst kleine Sehstörungen, die Sie im Alltag nur wenig beeinträchtigen oder die nur hin und wieder auftreten, können bereits ein Anzeichen für Schäden an der Netzhaut sein. Warten Sie beim Auftreten solcher Störungen nicht bis zur nächsten Kontrolluntersuchung beim Augenarzt, sondern vereinbaren Sie schnellstmöglich einen Termin! Denn bei manchen Komplikationen einer pathologischen Myopie, wie z. B. krankhaften Gefäßneubildungen, kann sich die Sehkraft sehr rasch verschlechtern.

Hinweise auf diese Gefäßneubildungen kann der Amsler-Gitter-Test geben. Diesen Test können Sie regelmäßig selbst durchführen. Doch bitte beachten Sie: Der einfache Selbsttest kann bestimmte Veränderungen Ihrer Sehleistung aufdecken. Er ersetzt nicht den regelmäßigen Besuch beim Augenarzt.

Gehen Sie regelmäßig zur Augen-Vorsorge

Je früher mögliche Folgeschäden einer pathologischer Myopie erkannt und behandelt werden, desto besser stehen Ihre Chancen auf eine erfolgreiche Therapie. Daher ist es sehr wichtig, dass Sie bei pathologischer Myopie mindestens einmal im Jahr zur augenärztlichen Vorsorgeuntersuchung gehen.

 

Quellen:
[1] Klein BE, Klein R: Lifestyle exposures and eye diseases in adults. Am J Ophthalmol 2007; 144: 961–969.
[2] Seddon JM, Willett WC, Speizer FE, Hankinson SE: A prospective study of cigarette smoking and age-related macular degeneration in women. JAMA 1996; 276: 1141–1146.