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Tipps zum Alltag mit VAV und ZVV

Die beiden Formen des retinalen Venenverschlussees (RVV), Venenastverschluss (VAV) und Zentralvenenverschluss (ZVV), betreffen zumeist nur ein Auge. Daher droht den meisten Betroffenen im Gegensatz zu manch anderen Netzhauterkrankungen kein kompletter Verlust der Sehkraft (Erblindung). Nur bei 5 bis 12 % der Patienten erkrankt innerhalb der ersten fünf Jahre nach einem RVV auch das zweite Auge [1].

Doch auch der einseitige Verlust des Sehvermögens belastet die Betroffenen mitunter stark. Vor allem das räumliche Sehen funktioniert nach einem retinalen Venenverschluss oft nicht mehr so gut. Darunter leiden dann vor allem jene Aktivitäten, die eine dreidimensionale Orientierung verlangen. Viele Tätigkeiten und Beschäftigungen, die bisher zur mühelosen Routine gehörten, wie z. B. Computerarbeit, Lesen, Zurechtfinden in fremder Umgebung, Autofahren, Kochen oder Fernsehen, klappen nach einem VAV oder ZVV unter Umständen nur noch mit Mühe, Hilfe von anderen oder schlimmstenfalls auch gar nicht mehr.

Starke Einschränkungen der Sehkraft zwingen die Betroffenen dazu, ihr Leben umzustellen und an die Erkrankung anzupassen. Viele Patienten empfinden diese Neuorientierung erst einmal als Einschränkung. Allerdings sind es oft nur ein paar einfache Tricks und Kniffe, die dafür sorgen können, das Leben trotz Sehbeeinträchtigung aktiv zu gestalten.

Nehmen Sie Hilfe an

Jeder Patient muss seinen eigenen Weg finden, mit den Folgen eines VAV oder ZVV umzugehen. Sie müssen und sollten diesen Weg jedoch nicht alleine gehen. Suchen Sie daher das offene Gespräch mit Verwandten und Freunden. Das entlastet nicht nur Sie, sondern auch Ihre Angehörigen. Denn auch Ihr Umfeld muss erst einmal lernen, Ihre Situation zu verstehen und Ihnen Hilfe genau dort anzubieten, wo Sie sie brauchen. Unterstützung und ein offenes Ohr bieten auch verschiedene Selbsthilfegruppen oder Hilfsorganisationen – fragen Sie auch in Ihrer Augenarztpraxis nach Adresstipps dazu.

Am Computer mit VAV und ZVV

Ein älterer Mann sitzt vor einem Laptop, ein junger Mann sitzt neben ihm und hilft ihm.Mit einem Computer können Sie sich viele nützliche Informationen aus dem Internet besorgen. Und eine E-Mail-Funktion hilft dabei, mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben. Auch wenn Sie sich bisher nicht viel mit dieser Technik beschäftigt haben, sollten Sie unbedingt ausprobieren, welche Möglichkeiten Ihnen ein Rechner mit Internetzugang bietet und inwiefern er Ihnen den Umgang mit Ihrer Erkrankung erleichtern kann.

Haben Sie dabei keine Scheu vor der Technik. Computer bieten heutzutage zahlreiche Hilfsmöglichkeiten und Voreinstellungen für Menschen mit verminderter Sehkraft, die den Umgang mit dem Rechner erleichtern. Und ganz bestimmt findet sich jemand in Ihrem Bekanntenkreis, der Ihnen über eventuelle Startschwierigkeiten hinweghilft und Ihnen auch die Vorteile für Sie erklärt, beispielsweise:

  • Vergrößerte Darstellungen
  • Optimierte Kontraste
  • Anklickbare Vergrößerungsgläser
  • Große Tastaturen auf dem Bildschirm, auf denen Sie mit der Maus Buchstaben anklicken und so Texte erstellen können
  • Vorlese-Funktionen

Hilfestellungen für Menschen mit geringer Sehkraft finden Sie auch hier:

Wenn Sie viel lesen, probieren Sie doch mal ein E-Book aus. Bei diesen „elektronischen Büchern“ lässt sich die Schriftgröße sehr individuell anpassen.

In der Küche mit VAV und ZVV

Eine Frau und ein Mann im mittleren Alter stehen am Herd und kochen gemeinsam.Mal schnell ein paar Nudeln kochen, Spiegeleier braten oder für Freunde ein neues Rezept ausprobieren – Kochen bedeutet Unabhängigkeit. Für so manchen Genießer und Hobbykoch bedeutet es aber auch ein wichtiges Stück Lebensqualität, in der eigenen Küche souverän mit Pfannen und Töpfen zu hantieren und etwas Leckeres zu zaubern. Ein RVV stellt dabei keine unüberwindbare Hürde dar, zumal Sie sich mit einigen einfachen Tipps und Tricks die Küchenarbeit deutlich erleichtern können.

  • Kontrast: Gestalten Sie Ihre Arbeitsflächen farblich so, dass sie einen deutlichen Kontrast zu Tellern, Kochgeschirr, Utensilien und anderen Gegenständen bilden.
  • Kennzeichnen Sie Gegenstände: Markieren Sie Steckdosen, scharfe Kanten und ähnliches mit breitem, farbigem Klebeband. Spannen Sie bunte Gummibänder um Behältnisse, so erkennen Sie deren Inhalt auf einen Blick.
  • Ordnung: Weisen Sie jedem Gegenstand, den Sie regelmäßig benutzen, einen festen Platz zu und legen Sie diese Dinge direkt nach dem Gebrauch wieder dorthin zurück. Schließen Sie Schränke oder Schubladen direkt nach dem Gebrauch. Nach diesem System sollte sich jeder richten, der in Ihrer Küche arbeitet.
  • Nutzen Sie Ihre anderen Sinne: Prüfen Sie verschieden Zutaten (z. B. Gewürze) anhand ihres Geruchs oder Geschmacks, bevor Sie sie verwenden.

Im Badezimmer mit VAV und ZVV

Ein helles, modernes Badezimmer mit Waschbecken und BadewanneAn einem so privaten Ort wie dem Badezimmer möchte sich natürlich jeder ohne fremde Hilfe gut zurechtfinden. Mit einigen einfachen Maßnahmen können Sie Ihr Badezimmer an Ihre veränderten Bedürfnisse anpassen:

  • Licht: Benutzen Sie vergrößernde und beleuchtete Spiegel.
  • Kontrast: Verwenden Sie gefärbte Zahncreme (z. B. mit farbigen Streifen), die sich vom meist weißen Kopf Ihrer Zahnbürste gut abhebt. Benutzen Sie Handtücher in Farben oder Mustern, die sich stark von der Farbe der Wände/Fliesen unterscheiden.
  • Baden: Wenn Sie sich ein Bad einlassen, geben Sie einfach einen farbigen Schwamm dazu. So können Sie besser erkennen, wann der gewünschte Wasserstand erreicht ist.
  • Kennzeichnen Sie Gegenstände: Kennzeichnen Sie verschiedene Gegenstände mit weißen Aufklebern und einem dicken Markierstift. Alternativ können Sie auch farbige Gummibänder oder farbiges Klebeband benutzen, um den Inhalt von Schränken und Behältnissen (Shampoo, Duschgel, Haarkur etc.) auf einen Blick zu erkennen.

Medikamentendosierer verwenden

Sortieren Sie alle Arzneimittel, die Sie regelmäßig benötigen, tage- oder wochenweise in einen praktischen Medikamentendosierer ein – vielleicht auch mit Hilfe von Freunden. So können Sie sicher sein, dass Sie immer die richtigen Medikamente zur verordneten Tageszeit einnehmen.

Sich mit VAV und ZVV außerhalb der eigenen vier Wände sicher fühlen

Ein älteres Ehepaar beim gemeinsamen Einkauf in der GemüseabteilungWer schlecht(er) sieht, fühlt sich oft unsicher. Viele Patienten mit vermindertem Sehvermögen trauen sich daher nur ungern aus dem Haus. Dieser Situation begegnen Sie am besten mit ein paar einfachen Hilfestellungen, die Ihnen Sicherheit außerhalb der eigenen vier Wände verleihen oder zurückgeben.

  • Planen Sie voraus: Wer von vornherein verschiedene Eventualitäten einkalkuliert, fühlt sich sicherer (z. B. bei öffentlichen Verkehrsmitteln eine Alternativstrecke heraussuchen, falls mal ein Bus oder eine Bahn ausfällt, Taxinummer im Handy speichern etc.).
  • Nutzen Sie kleine Hilfsmittel: Eine Mini-Taschenlampe und ein Vergrößerungsglas sind klein, handlich und passen in jede Tasche.
  • Diktiergerät: Anstelle einer geschriebenen Einkaufsliste können Sie auch ein kleines Diktiergerät verwenden.
  • Geld: Wenn Sie Probleme haben, Münzen oder Scheine zu unterscheiden, üben Sie, die Münzen durch Tasten zu erkennen und Scheine je nach Betrag unterschiedlich zu falten. Dann wissen Sie immer, welcher Schein welchem Wert entspricht.
  • Großbuchstabige Karten und Gebrauchsinformationen: Wenn Sie in einem Restaurant essen, fragen Sie nach einer großbuchstabigen Speisekarte. Sie werden überrascht sein, wie viele Restaurants eine solche Karte bereithalten. Auch für die Gebrauchsinformationen von Arzneimitteln gibt es oft Varianten mit großen Buchstaben. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker danach, oder gehen Sie direkt auf die Internetseite www.patienteninfo-service.de.
  • Fragen Sie nach Services: Viele Firmen (Fluggesellschaften, Telefonanbieter etc.) bieten spezielle Dienstleistungen für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen an (z. B. Begleitung am Flughafen). Fragen Sie nach!
  • Nehmen Sie sich Zeit: Gönnen Sie Ihren Augen immer ein paar Sekunden, um sich nach einer hell erleuchteten Umgebung an ein dunkleres Umfeld zu gewöhnen oder umgekehrt. Auch für andere Aufgaben werden Sie möglicherweise etwas länger brauchen. Nehmen Sie sich diese Zeit!
Quellen:
[1] Lang GE, Lang SJ: Venöse und arterielle Gefäßverschlüsse der Netzhaut. Augenheilkunde up2date 2012; 1: 15–32.