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Verlauf und Prognose von VAV und ZVV

Wie schwer ein retinaler Venenverschluss (RVV) verläuft, hängt davon ab,

  • ob das Blutgefäß komplett oder nur teilweise verschlossen ist,
  • wie groß das nicht mehr durchblutete Netzhautgebiet ist und
  • ob er einen Venenast (Venenastverschluss, VAV) oder die Hauptvene der Netzhaut (Zentralvenenverschluss, ZVV) betrifft.

Ein Zentralvenenverschluss, der die gesamte Netzhaut schädigt, beeinträchtigt die Sehkraft in der Regel stärker als ein Venenastverschluss, unter dem nur ein Teilbereich der Netzhaut leidet.

Während sich bei einem VAV die Sehfähigkeit unter Umständen auch ohne Behandlung wieder bessert, ist dies bei einem ZVV so gut wie ausgeschlossen. Besonders schlechte Aussichten bestehen bei einem „ischämischen ZVV“ – also einem Zentralvenenverschluss, bei dem eine besonders große Netzhautfläche Schädigungen aufweist. Ärzte sprechen von einem „ischämischen Verschluss“, wenn die Netzhautdurchblutung in einem Bereich ausfällt, der mindestens zehn Mal so groß ist wie der blinde Fleck des Auges (Papille). Zusätzlich drohen bei einem ischämischen ZVV vermehrt Komplikationen.

Bis zu 12 % aller Patienten mit einem VAV oder ZVV erkranken innerhalb der folgenden 5 Jahre auch am anderen Auge daran [1].

Zu den wichtigsten möglichen Komplikationen bei einem VAV oder ZVV zählen

  • die Neubildung von Blutgefäßen (Neovaskularisation), die zu Blutungen und einer Erhöhung des Augeninnendrucks (Glaukom, grüner Star) führen kann, sowie
  • das Makulaödem.

Die Folgen von Gefäßneubildungen im Auge

Ein retinaler Venenverschluss beeinträchtigt die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung im betroffenen Netzhautbereich. Bei mangelnder Sauerstoffversorgung geben Zellen den Botenstoff VEGF-A (vascular endothelial growth factor A) ab. Dieser regt die Bildung neuer Blutgefäße an. Die neuen Gefäße wachsen unkontrolliert und sind besonders brüchig, was wiederum weitere Netzhautschäden nach sich ziehen kann. Insgesamt kommt es bei etwa 16 % der Patienten zu Gefäßneubildungen (Neovaskularisationen). Die Wahrscheinlichkeit liegt umso höher, je größer das nicht durchblutete („ischämische“) Areal ist [1].

Zeichnung: Blutzellen und Flüssigkeit treten aus den brüchigen, neu gebildeten Blutgefäßen aus.

Besonders problematisch sind Blutgefäße, die in den Glaskörper vordringen. Sie können im schlimmsten Fall Spannungen im Auge hervorrufen, die eine Ablösung der Netzhaut bewirken. Dadurch droht das betroffene Auge zu erblinden.

Wachsen die Gefäße in den vorderen Abschnitt des Auges, z. B. in den sogenannten Kammerwinkel, verhindert dies womöglich, dass die Flüssigkeit aus diesem Bereich ungestört abfließen kann. Dadurch steigt der Augeninnendruck und damit das Risiko, an einem Glaukom (grüner Star) zu erkranken, an dem man im Laufe der Zeit erblinden kann [2].

Zeichnung eines Auges im Querschnitt

Chronisches Makulaödem

Der Botenstoff VEGF macht auch die Wände von Blutgefäßen durchlässiger. Dadurch kann Flüssigkeit austreten und ein Ödem in der Netzhaut entstehen. Geschieht dies im Bereich der Makula, sprechen Augenärzte von einem Makulaödem. Dieses bildet sich bei wenigen Patienten zwar von selbst zurück, bei anderen Betroffenen tritt es hingegen trotz Behandlung wieder neu auf und kann zu schweren Sehbeeinträchtigungen führen.

Die möglichen Komplikationen verschlechtern die Behandlungsaussichten (Prognose) bei einem VAV oder ZVV und bedrohen die Sehkraft zusätzlich. Mit modernen Behandlungsverfahren gelingt es jedoch, den natürlichen Verlauf der Erkrankung zu verzögern oder aufzuhalten.

Quellen:
[1] Stellungnahme von BVA, RG und DOG zur Therapie des Makulaödems beim retinalen Venenverschluss (Stand April 2010). http://cms.augeninfo.de/fileadmin/PDF/1004venenverschluss.pdf, zuletzt besucht am 24.05.2019.
[2] Grehn F: Augenheilkunde. 30. Auflage, 2008, Springer Medizin.