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Formen und Häufigkeit retinaler Venenverschlüsse (RVV)

Retinale Venenverschlüsse (RVV) gehören zu den Gefäßerkrankungen. Das Krankheitsbild betrifft die Venen der Netzhaut, also Blutgefäße, die das Blut aus dem Auge heraus in Richtung Herz leiten. Bei einem retinalen Venenverschluss verschließt sich eine Vene teilweise oder vollständig, so dass das Blut nicht mehr problemlos abfließen kann. Je nach Lage des Verschlusses kann es sich entweder um einen Venenastverschluss (VAV) oder um einen Zentralvenenverschluss (ZVV) handeln.

Alles im Fluss: die Blutversorgung der Netzhaut

Es fällt leichter, einen retinalen Venenverschluss zu verstehen, wenn man sich einmal genauer anschaut, wie die Blutgefäße im Auge verlaufen und welche Funktionen sie haben.

Schlagadern (Arterien) versorgen die Netzhaut mit Nährstoffen und sauerstoffreichem Blut. Sie erreichen das Augeninnere zusammen mit dem Sehnerven dort, wo der Nerv in das Auge mündet – der sogenannten Papille (blinder Fleck). Von dort verzweigen sich die Arterien in der Netzhaut fortlaufend zu immer feineren Gefäßen, die schließlich nur noch unter dem Mikroskop zu erkennen sind. Aus diesen sogenannten Kapillaren nimmt das Netzhautgewebe Sauerstoff und Nährstoffe auf.

Im Gegenzug gibt das Auge Zell-Abbauprodukte und Kohlendioxid (CO2) an das Blut ab, das dann für den Abtransport sorgt. Die feinen Kapillaren verbinden sich dabei wieder zu immer größer werdenden Blutgefäßen, den Venen. Diese sammeln das verbrauchte Blut und leiten es zurück Richtung Herz.

Größere Venen, die bei der Untersuchung des Augenhintergrundes mit bloßem Augen zu erkennen sind, bezeichnen Augenärzte als Venenast. Die Venenäste vereinigen sich schließlich zur Zentralvene der Netzhaut, die zusammen mit dem Sehnerven an der Papille aus dem Auge austritt.

Zeichnung eines Auges mit Blutgefäßen der Netzhaut. Ein retinaler Venenverschluss kann kleinere Venenäste (Venenastverschluss) oder auch die Hauptvene der Netzhaut (Zentralvenenverschluss) betreffen.

Ursachen von VAV und ZVV

Die Blockade des venösen Abflusses entsteht häufig durch ein Blutgerinnsel (Thrombus), das sich in einer engen Stelle der Vene festsetzt. In anderen Fällen verursachen durch Arteriosklerose verhärtete Arterien den Verschluss: Dort, wo sie sich mit Venen kreuzen, drücken sie die Vene so zusammen, dass nur wenig oder gar kein Blut mehr hindurchfließen kann.
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Folgen eines VAV und ZVV

Der teilweise oder vollständige Verschluss einer Vene führt zu einem Rückstau des Blutes. Dadurch steigt der Druck in den betroffenen Gefäßabschnitten. Es können Netzhautblutungen, Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen), Gefäßwucherungen oder sogar Netzhautablösungen entstehen. Kommt es zu Flüssigkeitsansammlungen im Bereich der Netzhautmitte (Makula bzw. gelber Fleck) spricht man von einem Makulaödem. All dies beeinträchtigt das Sehvermögen, in schweren Fällen droht eine Erblindung.
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Eine Erkrankung – zwei Ausprägungen

Je nach Lage des Verschlusses unterscheiden Experten zwischen zwei Formen des RVV:

  • Ein Venenastverschluss (VAV) begrenzt sich auf bestimmte Netzhautbereiche und tritt meist dort auf, wo Venen und Arterien sich kreuzen.
  • Ein Zentralvenenverschluss (ZVV) geschieht im Bereich des blinden Flecks, wo die Zentralvene zusammen mit dem Sehnerven aus dem Auge austritt. Dies ist ein natürlicher Engpass in der Netzhaut. Ein Verschluss an dieser Stelle stört die Durchblutung der gesamten Netzhaut.

Wie stark ausgeprägte Sehstörungen nach einem retinalen Venenverschluss auftreten, hängt unter anderem von schnellen medizinischen Gegenmaßnahmen ab. Daher spielen bei dieser Erkrankung eine frühzeitige Diagnose und effektive Behandlung eine große Rolle.

Häufigkeit von VAV und ZVV

Weltweit leiden etwa 16 Millionen Menschen an einem retinalen Venenverschluss, wobei Venenastverschlüsse (VAV) häufiger vorkommen als Zentralvenenverschlüsse (ZVV). Bis zu 12 % aller Patienten mit einem RVV erkranken innerhalb der folgenden 5 Jahre auch am anderen Auge daran. Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr auf – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Im jüngeren Alter trifft ein RVV allerdings überwiegend Männer. [1]

Quellen:
[1] Stellungnahme von BVA, RG und DOG zur Therapie des Makulaödems beim retinalen Venenverschluss (Stand April 2010). http://cms.augeninfo.de/fileadmin/PDF/1004venenverschluss.pdf, zuletzt besucht am 24.05.2019.
[2] Grehn F: Augenheilkunde. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2011 (31. Auflage).