Die Augen gehören zu unseren wichtigsten und auch empfindlichsten Sinnesorganen. Mit ihnen nehmen wir Licht und Farben wahr. Mehr als 100 Millionen Sehzellen wandeln diese Reize dann in Nervenimpulse (elektrische Signale) um, die das Gehirn verarbeitet: Denn erst unsere "grauen Zellen" setzen aus den Informationen ein Bild zusammen. Hier erfahren Sie alles zum Aufbau und zur Funktion des Auges.

Die sichtbaren Teile des Auges

Grafik Auge
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Betrachtet man die Augen von außen, ist im Zentrum die Pupille als schwarzer Kreis sichtbar – umgeben von der farbigen Regenbogenhaut (Iris), sowie von der weißen Lederhaut (Sklera). Hinter der Pupille liegt die – von außen nicht sichtbare – Linse. Zusammen mit der Hornhaut, die sich als durchsichtiges Häutchen über die Iris wölbt, bündelt die Linse das einfallende Licht auf der Netzhaut im hinteren Bereich des Auges.

Blick ins Innere: Die Schichten des Auges

Das Auge ähnelt in seiner Form einer Kugel – daher stammt auch der Begriff Augapfel. Der Durchmesser beträgt rund 22 Millimeter und entspricht damit dem einer 1-Euro-Münze. Es ist von drei Hautschichten umgeben: Die äußere Schicht besteht aus der widerstandsfähigen, schützenden weißen Lederhaut, die im vorderen Bereich des Auges durch die vorgewölbte durchsichtige Hornhaut ersetzt wird. Sie übernimmt den größten Teil der Lichtbrechung im Auge.

Unter der Lederhaut liegt die Aderhaut. Hier verlaufen die feinen Gefäße, die den Augapfel mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Das innerste Häutchen bildet die Netzhaut (Retina) mit den Sinneszellen und Nervenzellen des Auges. Die Netzhaut grenzt nach innen an den Glaskörper. Er besteht aus einer von einer dünnen Hülle umschlossenen gallertartigen Substanz, die das Innere des Augapfels ausfüllt.

Je nach Lage dieser Schichten und Bestandteile sprechen Augenärzte beim Aufbau des Auges vom vorderen und hinteren Augenabschnitt. Weiteres siehe nächster Abschnitt.

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Vorderer Augenabschnitt

Der vordere Augenabschnitt umfasst dabei:

  • Lederhaut
  • Bindehaut
  • Hornhaut
  • Regenbogenhaut (Iris) mit Ziliarkörper
  • Linse

Binde-, Horn- und Lederhaut

Die Bindehaut überzieht den vorderen Augenabschnitt inklusive der Lid-Innenseiten. Die Hauptaufgabe dieser Schleimhaut besteht darin, die Augenoberfläche mit Tränenflüssigkeit zu benetzen. Das ermöglicht eine ungestörte Bewegung des Augapfels. Leder- und Hornhaut stellen gemeinsam die äußere Hülle dar. Die Hornhaut erscheint durchsichtig und besitzt eine sehr hohe Brechkraft. Diese Eigenschaft ist wichtig, damit wir scharf sehen können.

Iris, Ziliarkörper und Linse

Die Iris mit ihrer Öffnung – der Pupille – stellt sich bei Veränderung des Lichteinfalls weiter oder enger und hat in den Augen die Funktion einer Blende.

Schon gewusst?

Wenn wir erschrecken, weiten sich unsere Pupillen. Verantwortlich dafür ist die Adrenalinausschüttung im Körper. Im Schlaf hingegen stellen sie sich eng.

Seitlich geht die Iris in den Ziliarkörper über. Er ist zuständig für die Aufhängung der Linse und deren Akkommodation (Anpassung, um in unterschiedlichen Entfernungen scharf zu sehen). Die Linsen in unseren Augen stellen das, was wir gerade betrachten, angepasst an die unterschiedlichen Entfernungen scharf – vergleichbar mit der Linse in einem Fotoapparat.

Hinterer Augenabschnitt

Der hintere Aufbau des Auges ist durch folgende Komponenten gekennzeichnet:

  • Glaskörper
  • Sehnerv
  • Netzhaut mit gelbem Fleck (Makula)
  • Aderhaut

Schon gewusst?

Augenärzte, die sich mit den Teilen des hinteren Augenabschnittes beschäftigen, bezeichnet man auch als Retinologen.

Glaskörper und Aderhaut

Hinter der Linse im Augeninneren füllt der Glaskörper den Augapfel aus. Unter anderem stabilisiert er die Form des Auges. Sein Inneres besteht aus einer gelartigen Flüssigkeit mit einem Wasseranteil von mehr als 90 Prozent.

Die Netzhaut befindet sich sozusagen an der Rückwand des Auges („innere Augenhaut“). Auf ihrer Außenseite liegt die Bruch-Membran (Bruch´sche Membran), eine Grenzmembran zwischen der darauffolgenden Aderhaut und dem retinalen Pigmentepithel (RPE) der Netzhaut. Sie vermittelt den Transport von Nährstoffen und Flüssigkeit zwischen dem retinalen Pigmentepithel und der Gefäßschicht der Aderhaut. Außerdem erfolgt über die Bruch-Membran und das sich daran anschließende RPE auch der Abtransport von Stoffwechselprodukten („Abfall“).

Wissenswert!

Der Bereich zwischen Bruch-Membran und retinalem Pigmentepithel ist häufig der Ort, an dem Drusen (Ablagerungen) entstehen – wie im Frühstadium der trockenen altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Sie entstehen, da der Stoffwechsel des retinalen Pigmentepithels im Alter nachlässt und sich dadurch vermehrt Abfallprodukte anhäufen.

Die Schichten der Netzhaut (Retina)

Die Netzhaut ist eigentlich ein vorgeschalteter Teil des Gehirns und enthält die Sinneszellen des Auges (Lichtsinneszellen oder Photorezeptoren; spezialisierte Nervenzellen), die den Lichtreiz aufnehmen, verarbeiten und über den Sehnerv an das Gehirn weiterleiten. Die Netzhaut ist nur etwa 0,1 bis 0,5 Millimeter dick und besteht aus insgesamt zehn Schichten.

Die eigentlichen Lichtsinneszellen befinden sich erst in der Tiefe der Netzhaut, in der vorletzten Schicht. Es handelt sich dabei um Stäbchen (Wahrnehmung von Hell und Dunkel; insgesamt circa 120 Millionen) und Zapfen (Farbensehen; insgesamt circa 7 Millionen).

Ein Bereich der Netzhaut – die sogenannte Makula (Macula lutea/gelber Fleck) – enthält eine besonders hohe Dichte von Zapfen und ist in unserem Auge der Bereich des schärfsten Sehens. Das gilt ganz besonders für die Sehgrube (Fovea), die Stelle der Makula-Mitte.

Der Name „gelber Fleck“ stammt von den dort reichlich eingelagerten gelben Farbkörnchen (Lutein und Zeaxanthin).1 Ein weiterer besonderer Punkt auf der Netzhaut ist der blinde Fleck, den alle Menschen haben und an dem sich keine Sinneszellen des Auges befinden. Denn hier liegt die Eintrittsstelle des Sehnervs und der Blutgefäße, die das Auge mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.

Kleine Stelle, große Auswirkung!

Die Krankheit AMD betrifft ausschließlich die Makula – also einen etwa fünf Millimeter großen Fleck unserer Netzhaut. Auch wenn der Bereich klein ist: Die Auswirkungen können bis zu einem kompletten Verlust der Sehkraft reichen, wenn keine oder unzureichende Behandlung erfolgt. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Diagnose durch den Augenarzt! Nutzen Sie daher jährliche Kontrolluntersuchungen im Alter ab 50. Denn bei rechtzeitiger und regelmäßiger Behandlung bessern sich häufig die krankheitsbedingten Sehprobleme.

Das retinale Pigmentepithel

Nach außen begrenzt das sogenannte retinale Pigmentepithel (RPE) die Netzhaut. Diese Schicht enthält zahlreiche dunkle Farbkörnchen (Pigmente), die das verbliebene Licht in sich aufnehmen (absorbieren). Darüber hinaus versorgt das retinale Pigmentepithel die inneren Netzhautschichten sowie die Sinneszellen im Auge mit Nährstoffen und Sauerstoff.

RPE-Zellen sind zudem für den Abbau von speziellen Abfallprodukten (zum Beispiel „alte“ Sehzellen) zuständig. Außerdem transportiert das RPE Flüssigkeit aus der Netzhaut. Bei einigen Erkrankungen wie der feuchten AMD oder der diabetischen Retinopathie mit der Begleiterscheinung eines diabetischen Makulaödems (DMÖ) ist diese Funktion gestört. Dadurch kommt es zu Flüssigkeitsansammlungen in der Netzhaut (Ödem).

Übrigens:

Beim Abbau der Abfallprodukte können im Alter Nebenprodukte entstehen. Lagern sich diese im retinalen Pigmentepithel (RPE) ab, entstehen daraus so genannte Drusen. Sie kennzeichnen die frühe Form der AMD.

Sehen beginnt im Auge – das fertige Bild entsteht im Gehirn

Wie das Sehen funktioniert, lässt sich am besten mit einem Beispiel erklären: Nehmen wir einmal an, wir wollten einen Ball genauer in Augenschein nehmen. Indem wir ihn direkt ansehen, bewegt sich das Auge zunächst so, dass der Ball ins Zentrum unseres Sichtfelds rückt. Das Licht, das auf den Ball fällt, wird teilweise reflektiert, gelangt in unsere Augen und wird durch Hornhaut und Linse gebündelt. Dadurch fällt das Licht auf die Stelle des schärfsten Sehens im Zentrum der Netzhaut, die sogenannte Makula (Macula lutea, gelber Fleck).

Die Lichtsinneszellen wandeln das Licht in elektrische Signale um, die über den Sehnerv das Gehirn erreichen. Das Gehirn setzt die Reize dann so zusammen, dass aus dem betrachteten Ball ein fertiges Bild entsteht.

[1] Dr. med. Hildegard Berns: Das menschliche Auge. URL: http://www.dr-hildegard-berns.de/5.html (11.07.2019).

[2] Klinikum Nürnberg: Anatomie des Auges. URL: https://www.klinikum-nuernberg.de/DE/ueber_uns/Fachabteilungen_KN/kliniken/augen/leistungen/docs_pics/Krankheitsbilder/Anatomie_des_Auges.html (03.07.2019).

[3] Pro Retina Deutschland e.V.: Informationen zur Lutein- und Zeaxanthin-Einnahme. URL: http://www.pro-retina.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche-beratungsgremien/empfehlungen/lutein-und-zeaxanthin (15.07.2019)

[4] Augenarzt Wuppertal: Ziel der Behandlung. URL: http://www.augenarzt-wuppertal.de/medizinische-leistungen/netzhaut-retina/ (11.07.2019).

[5] Grehn, Franz: Augenheilkunde. Berlin/Heidelberg: Springer-Verlag 2012. S. 215.

[6] Augenklinik Heidelberg: Der gelbe Fleck. URL: https://augenpraxisklinik.com/augenerkrankungen/makula/ (02.07.2019).