Unsere Augen gelten als Fenster zur Welt – und das nicht nur sprichwörtlich: Mit ihrer Hilfe nehmen wir unsere Umgebung wahr und können uns im Raum zurechtfinden. Doch obwohl das Augenlicht so wichtig ist, wissen wir nur wenig über die tägliche Höchstleistung unseres Sehorgans und die Augenerkrankungen, die sich im Laufe der Zeit entwickeln können. Dieses fehlende Wissen verunsichert – neben dem schleichenden Sehverlust – zusätzlich. Daher gilt: Je genauer Sie, Ihre Familie und Freunde über die Krankheiten informiert sind, umso leichter lassen sich Missverständnisse oder vermeintliche Hürden aus dem Weg räumen.

Kleinigkeiten mit großer Wirkung

Kochen, Sport treiben oder ein gutes Buch lesen ist in der Regel auch bei einer Netzhauterkrankung, wie beispielsweise der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) oder diabetischen Retinopathie, mit einer entsprechenden Sehhilfe und weiteren Tipps und Tricks möglich. Einige davon haben wir für Sie zusammengestellt.

Hilfreich: Computer bei Netzhauterkrankung

Gerade Computer ermöglichen Ihnen das Lesen auf unterschiedlichsten Wegen – dafür müssen Sie nicht einmal hundertprozentig sehen können. Mit praktischen Voreinstellungen erleichtert Ihnen der elektronische Helfer die Suche und Sammlung aktueller Informationen. So können Sie immer auf dem neuesten Stand bleiben. Falls Sie sich mit diesem Gerät nicht so gut auskennen, bitten Sie jemanden mit Computer-Erfahrung, Ihnen über die ersten Startschwierigkeiten hinwegzuhelfen und die Vorteile zu erklären, zum Beispiel:

Voreinstellungen bei Sehschwäche:

  • angepasste, vergrößerte Darstellungen
  • optimierte Kontraste
  • anklickbare Lupenfunktion
  • Vorlesefunktionen

Hilfestellungen für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen finden Sie auch bei Softwareanbietern:

Falls Sie gerne lesen, lohnt es sich, ein E-Book auszuprobieren. Bei diesen „elektronischen Büchern“ ist es möglich, die Schriftgröße und auch die Helligkeit zu verstellen.

Linktipp!

Sie suchen nach Tipps und Tricks im Umgang mit einer retinalen Erkrankung, haben Fragen oder benötigen aktive Hilfe? Einige Organisationen stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite – wir haben mögliche Ansprechpartner aufgelistet: Services für Sie!

Hilfe beim Kochen mit Augenkrankheiten

Egal, ob es sich um das tägliche Frühstück, das Mittagessen oder ein Abendessen mit Freunden handelt – etwas Leckeres zu kochen und sich dabei in der eigenen Küche sicher zu bewegen, bedeutet ein großes Stück Lebensqualität. Ein paar einfache Tricks helfen dabei, dass Sie auch mit einer Netzhauterkrankung souverän den Kochlöffel schwingen können. Zögern Sie nicht, Freunde oder Familienmitglieder bei der Umsetzung einiger Tipps um Hilfe zu bitten.

  • Arbeitsfläche: Gestalten Sie die Arbeitsflächen farblich so, dass sich ein deutlicher Kontrast zu Tellern, Kochgeschirr, Kochutensilien und anderen Gegenständen bildet (beispielsweise dunkle Arbeitsflächen und weißes Geschirr).
  • Gegenstände kennzeichnen: Markieren Sie scharfe Kanten, Steckdosen und ähnliches mit breitem Klebeband in auffälliger Farbe. Spannen Sie farbige Gummibänder um Behältnisse, so erkennen Sie deren Inhalt auf einen Blick.
  • Ordnung: Ordnen Sie jedem Gegenstand einen festen Platz zu und legen Sie ihn nach dem Gebrauch gleich wieder dorthin zurück. Schränke oder Schubladen sollten zudem immer wieder geschlossen werden.
  • Alle Sinne nutzen: Verschiedene Zutaten können Sie ertasten, durch den Geruch oder Geschmack zuordnen oder auch hinsichtlich ihrer Haltbarkeit überprüfen.

Praktisch!

Eine vorsortierte Medikamentenbox – erhältlich in der Apotheke oder im Internet – hilft Ihnen dabei, Ihre benötigten Arzneimittel zuverlässig einzunehmen.

Tipps für das Badezimmer

Einige einfache Tipps unterstützen Betroffene, sich auch mit eingeschränktem Sehvermögen im Badezimmer zurechtzufinden und somit die Privatsphäre zu bewahren:

  • Licht: Nutzen Sie vergrößernde und beleuchtete Spiegel, die es übrigens auch als eine Art Brillengestell gibt. So fallen vor allem das Schminken und Rasieren leichter.
  • Kontrast: Benutzen Sie gefärbte Zahncreme (zum Beispiel mit farbigen Streifen), sodass sie sich vom meist weißen Kopf der Zahnbürste abhebt. Benutzen Sie Handtücher, die sich stark von der Farbe des Raums unterscheiden.
  • Baden: Wenn Sie sich ein Bad einlassen, hilft ein farbiger Schwamm im Wasser, den steigenden Wasserstand auszumachen.
  • Badezimmerutensilien: Verwenden Sie weiße Aufkleber und einen dicken Stift zum Markieren verschiedener Gegenstände. Alternativ können Sie auch farbige Gummibänder um Behältnisse spannen (beispielsweise Shampoo, Duschgel, Haarspülung), damit Sie deren Inhalt besser erkennen.

Noch ein kleiner Tipp!

Nutzen Sie doch die Zeit im Badezimmer, um den Amsler-Gitter-Test zu machen – dazu reicht schon der Blick auf die Fugen der Badezimmerfliesen.

Sich mit Augenerkrankungen auch außerhalb der eigenen vier Wände sicher fühlen

Mit der Diagnose von Netzhauterkrankungen kommt meist die Frage auf, wie selbstständig Betroffene den Alltag in Zukunft noch meistern können. Eine Sorge, die vor allem aufgrund guter Behandlungsmöglichkeiten und des medizinischen Fortschritts oft unbegründet ist. Einfache Alltagstipps und Hilfsmittel können Patienten zusätzlich mehr Sicherheit und damit auch Eigenständigkeit geben. Probieren Sie es aus – vielleicht auch zusammen mit Bekannten, Freunden oder der Familie.

  • Vorausplanen: Wer von vornherein verschiedene Eventualitäten berücksichtigt, fühlt sich sicherer. Suchen Sie beispielsweise eine Alternativstrecke der öffentlichen Verkehrsmittel heraus, falls ein Bus oder eine Bahn ausfällt.
  • Kleine Hilfsmittel: Eine Mini-Taschenlampe und ein Vergrößerungsglas sind klein, handlich und passen in jede Tasche.
  • Diktiergerät: Anstatt einer geschriebenen Einkaufsliste eignet sich auch ein kleines Diktiergerät. Damit können Sie die Liste jederzeit problemlos abhören.
  • Geld: Wenn ein Problem besteht, Münzen oder Scheine zu unterscheiden, lernen Sie, die Münzen durch Tasten zu erkennen. Außerdem können Sie die Scheine unterschiedlich falten, um so den Wert der Scheine zuzuordnen.
  • Großbuchstabige Karten und Gebrauchsinformationen: Essen Sie in einem Restaurant, empfiehlt es sich, nach einer großbuchstabigen Karte zu fragen. Sie werden überrascht sein, wie viele Gaststätten eine solche bereithalten. Übrigens gibt es auch Gebrauchsinformationen einiger Arzneimittel für Sehbeeinträchtigte. Sprechen Sie Ihren Arzt oder Apotheker darauf an. Weitere Informationen finden Sie zudem auf der Internetseite www.patienteninfo-service.de.
  • Fragen Sie nach Services: Viele Firmen (Fluggesellschaften, Telefonanbieter oder Behörden) bieten spezielle Dienstleistungen für Menschen mit Sehbehinderungen an, die das tägliche Leben einfacher machen können, wie beispielsweise Begleitungen am Flughafen.

Generell gilt: Nehmen Sie sich Zeit! Gönnen Sie Ihren Augen immer ein paar Sekunden, um sich nach einer hell erleuchteten Umgebung an ein dunkleres Umfeld zu gewöhnen oder umgekehrt. Auch für andere Aufgaben werden Sie möglicherweise etwas länger brauchen.